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"Auf ein Wort" aus dem Kirchenboten Juni / Juli 2020

Liebe Gemeinde!

Stellen Sie sich vor, Sie haben bei einem Wettbewerb den folgenden Preis gewonnen: Jeden Morgen, stellt Ihnen die Bank 86.400 Euro auf Ihrem Bankkonto zur Verfügung. Doch dieses Spiel hat - genau wie jedes andere auch gewisse Regeln.

Die erste Regel lautet: Alles was Sie im Laufe des Tages nicht ausgegeben haben, wird Ihnen wieder weggenommen. Sie können das Geld nicht einfach auf ein anderes Konto überweisen, Sie können das Geld nur ausgeben. Aber jeden Morgen, wenn Sie aufwachen, stellt Ihnen die Bank erneut 86.400 Euro für den kommenden Tag auf Ihrem Konto zur Verfügung.

Die zweite Regel ist: Die Bank kann das Spiel ohne Vorwarnung beenden, zu jeder Zeit kann sie sagen: Es ist vorbei das Spiel ist aus. Sie kann das Konto schließen und Sie bekommen kein neues mehr.

Was würden Sie tun? Sie würden sich alles kaufen, was Sie möchten? Nicht nur für Sie selbst, auch für alle anderen Menschen, die Sie lieben? Klar. Vielleicht sogar für Menschen, die Sie nicht einmal kennen, da Sie das nie alles für sich allein ausgeben könnten? In jedem Fall aber würden Sie versuchen, jeden Cent so auszugeben, dass Sie ihn bestmöglichst nutzen, oder?

Dieses Spiel ist die Wirklichkeit. Jeder von uns hat so eine "magische Bank". Wir sehen sie nur nicht, denn die Bank ist die Zeit. Jeden Morgen wenn wir aufwachen, bekommen wir 86.400 Sekunden Leben für den Tag geschenkt und wenn wir am Abend einschlafen, wird uns die übrige Zeit nicht gut geschrieben. Was wir an diesem Tag nicht gelebt haben, ist verloren, für immer verloren. Gestern ist vergangen. Jeden Morgen beginnt sich das Konto neu zu füllen, aber die Bank kann das Konto jederzeit auflösen, ohne Vorwarnung.

Was machen Sie mit Ihren, was mache ich mit meinen täglichen 86.400 Sekunden? Sind sie nicht viel mehr wert als die gleiche Menge in Euro?

Jesus sagt uns in der Bergpredigt (Mt 6, 25-27):

"Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie? Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt?"

Ich verstehe Jesus so: Unser Leben, jede Sekunde davon ist viel zu wertvoll, dass wir eine davon vergeuden könnten

  • indem wir uns allzu große Sorgen machen,
  • indem wir uns ärgern und gar nicht mehr damit aufhören,
  • indem wir in dieser Zeit uns oder andere kaputt machen,
  • indem wir nicht jeden Augenblick genießen, der uns geschenkt ist.

Wir sollen und dürfen jeden Tag der uns gegeben ist aus Gottes Hand nehmen und uns daran freuen. Lasst uns jeden Tag neu anfangen, unser Leben zu leben.

Ihr
Johannes Häselbarth,
Pfarrer

(Inspiriert von einem Artikel, der ohne Quellennachweis im Netz rumgeistert.)